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Fem(me)_ininitäten Ausgabe Nr. 5, 09. Juni 2011

Fem(me)_ininitäten cujamara

Sie sind sichtbar_unsichtbar: auf Higheels, in Baggies, im Rock, mit Glatze, im Korsett und langem Haar...

Es geht in dieser Ausgabe um Fem(me)_ininitäten und damit um Sichtbarkeiten, um Politiken, um queere Gender, um radikale und lustvolle Aneignungen weiblich konnotierter Attribute und gleichzeitig wieder um ihren Bruch. Es geht um Begehren und Aufbegehren: Begehren außerhalb der heterosexuellen Matrix und Aufbegehren gegen patriarchale Strukturen, (Hetero)Sexismus, Trans*phobie und die Reduktion auf passive Rollenklischees. Es geht darum, dass Fem(me) einer „Kampfansage an die traditionellen Vorstellungen von Femininität als schwach, hilflos und unbedeutend“ (Sabine Fuchs, Siegessäule 10/09, S. 26) gleichkommt und damit ein „Ort des Widerstands" (Joke Janssen in Fuchs 2009, S. 68) ist. Und um viel mehr!

Die Selbstorganisation von Fem(me)s in der BRD ist eine junge Bewegung. Aber sie wächst! Fem(me)s erobern sich Räume, erste deutschsprachige Filme entstehen, Homepages und Foren, Workshops werden organisiert, Shows, Gruppen gründen sich... Wir haben uns daher ganz bewusst dafür entschieden, Fem(me)s in den Mittelpunkt der ersten kritisch-lesen-Ausgabe zu einem Gender-Schwerpunkt zu stellen.

Aber, Moment! Sind Fem(me)s ein eigenes Gender? Unabhängig vom Geburtsgeschlecht lebbar? Auch ohne Butch denkbar (Butch wird oft als begehrender Gegenpart – der_die sich männlich konnotierte Attribute aneignet - zu Fem(me) konstruiert)? Einfach feminine Lesben? Was ist denn nun eine Fem(me)?

Die einzige Antwort, die wir darauf geben können ist: Fem(me) ist eine Selbstidentifikation. Das mag unbefriedigend klingen, öffnet aber den Raum für Selbstverortungen und Diversitäten. Selbstverständnisse von Fem(me)s sind widersprüchlich. Die Rezensionen zum femtastischen Schwerpunkt beschäftigen sich daher mit zwei Büchern und einem Magazin, die Möglichkeiten eröffnen, viel über Fem(me)s, ihre Widersprüchlichkeiten und gemeinsame Widerstands-, Organisations- und Inszenierungsformen zu erfahren. Lola bespricht in ihrer Rezension Femmepowerment, Queer_Femmeinismen und femmemose Fragen das erste und bisher einzige deutschsprachige Femme-Buch: „Femme! Radikal – queer - feminin“. Jorane Anders rezensiert die sechste Ausgabe des Magazins hugs and kisses, die nicht nur Femmes, sondern allgemein queere Femininitäten in den Mittelpunkt stellt. Fragen nach Privatem, Wissenschaft und Politischem stellt Ilka Borcherdts in ihrer Rezension I'm so glad I kissed a girl zu dem Band „Femmes of Power: Exploding Queer Femininities" von Del LaGrace Volcano und Ulrika Dahl.

Unter den aktuellen Rezensionen findet sich eine Kritik an dem 2010 erschienenen Lexikon der Vertreibungen von Ismail Küpeli, der zu dem Schluss kommt, dass die Publikation „politisch fragwürdige Tendenzen in den deutschen Geschichtsdebatten“ fördere. Regina Wamper konstatiert nach der Lektüre von Mädelsache! Frauen in der Naziszene von Andrea Röpke und Andreas Speit, dass die aktive Rolle extrem rechter Frauen auch ein aktives „Eintreten für die eigene Unterwerfung“ bedeutet.

Anlässlich des achtzigsten Geburtstags von Erasmus Schöfer haben wir die Besprechung zu seinem vier Bände umfassenden Werk Die Kinder des Sisyfos von Fritz Güde aus dem Archiv ausgesucht. Eine Akteurin der darin dargestellten Bewegung ist Ulrike Meinhof, an deren 35. Todestag vor einem Monat wir mit einer Rezension der Meinhof-Biographie von Jutta Ditfurth erinnern wollen.

Wir danken an dieser Stelle außerdem allen, die bei den Linken Buchtagen dabei waren, für den solidarischen Austausch.

Viel Spaß beim (kritischen) Lesen!

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