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Die Entdeckung der Faulheit

Buchautor_innen
Corinne Maier
Buchtitel
Die Entdeckung der Faulheit
Buchuntertitel
Von der Kunst, bei der Arbeit möglichst wenig zu tun
Corinne Maier entlarvt frech und listig die Verlogenheit der modernen Arbeitswelt in großen Unternehmen.
Rezensiert von Jan Peter Althoff

Um Missverständnisse zu vermeiden, sei es gleich vorneweg erwähnt: um die „Kunst, möglichst wenig zu tun“, geht es in diesem Buch nicht in allererster Linie. Es handelt sich vielmehr um eine freche, intelligente Analyse der modernen Arbeitswelt aus der Sicht einer leitenden Angestellten des französischen Energie-Riesen EDF. Maier entlarvt die Ideologie von Effizienz und Leistung in modernen Großunternehmen als kapitalistische Augenwischerei - und sie setzt dem die eigene Müßiggänger-Moral entgegen. Obgleich sich die Handlungsanleitungen zum Faulsein auf wenige Seiten beschränken, handelt es sich um ein mehr als lesenswertes Buch.

Die Volkswirtin und Politologin Maier schildert das moderne kapitalistische Großunternehmen als das, was es ist: eine Anstalt, in der sich verbohrte Ideologen der Leitungsebene mit unnützen oder gar keinen Tätigkeiten die Zeit vertreiben, während sie zugleich Leistungsdruck nach unten erzeugen, massenhaft Arbeitsplätze abbauen und ein Unternehmen nach dem anderen in die Pleite (USA) beziehungsweise die Hände der Steuern Zahlenden (Frankreich) führen. Sie schildert das ideologische Neusprech moderner Großunternehmen, das mit leeren Worthülsen wie „Erfolg“, „koordinieren“, „Effizienz“, „optimieren“ ebenso angereichert ist wie mit großkotzigen, aber gleichfalls nichtssagenden Anglizismen. Sie zeigt, dass nicht Leistung zählt, sondern der Eindruck, den man bei anderen von sich erwecken kann: Wer sich selbst verkaufen kann, gewinnt - um so mehr, als heute ohnehin alle die gleichen beziehungsweise gar keine Qualifikationen aus ihrem (Wirtschafts-)Studium mitbringen. Besonders amüsant zu lesen sind die Ausführungen über die verschiedenen Menschen-Typen, denen man in Unternehmen begegnet: vom „Manager“ („so leicht, dass er schon hohl ist“) über den leitenden Angestellten, den Ingenieur und Verkäufer und den Unternehmensberater bis hin zu den „Unfähigen, Kriechern und Nichtstuern“. Es braucht kaum erwähnt werden, wer hiervon die Sympathie der Autorin genießt...

Noch immer ist Maier Angestellte bei EDF - oder besser gesagt: wieder. Gerade aufgrund des enormen Medienechos, das ihre Veröffentlichung in Frankreich hervorgerufen hat, wollten ihre Vorgesetzten sie feuern. Eine Solidaritätskampagne der Gewerkschaften aber fand ein ebenso breites Echo in der Öffentlichkeit und war letztlich erfolgreich: EDF musste Maier wieder einstellen. Nach eigener Aussage bleibt sie nun weiterhin (in Teilzeit) auf ihrer Stelle tätig, weil dies ihr das Leben finanziere - und ihre Bosse ärgere.

Wer sich in vergnüglicher Lektüre über die Innenwelt moderner Unternehmen informieren möchte, ist mit Corinne Maiers „Die Entdeckung der Faulheit“ genau richtig. Besseren, weil demotivierenderen Lesestoff für die morgendliche Fahrt zur Arbeit ins Büro kann es nicht geben.

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Diese Rezension erschien zuerst im Februar 2007 auf stattweb.de (Update: kritisch-lesen.de, hsc, 01/2011)

Corinne Maier 2006:
Die Entdeckung der Faulheit. Von der Kunst, bei der Arbeit möglichst wenig zu tun.
Goldmann Verlag, München.
ISBN: 978-3-442-15395-4.
160 Seiten. 6,95 Euro.
Zitathinweis: Jan Peter Althoff: Die Entdeckung der Faulheit. Erschienen in: . URL: https://kritisch-lesen.de/c/765. Abgerufen am: 14. 11. 2019 16:02.

Zur Rezension
Rezensiert von
Jan Peter Althoff
Veröffentlicht am
01. Februar 2007
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Zum Buch
Corinne Maier 2006:
Die Entdeckung der Faulheit. Von der Kunst, bei der Arbeit möglichst wenig zu tun.
Goldmann Verlag, München.
ISBN: 978-3-442-15395-4.
160 Seiten. 6,95 Euro.