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Als die Ente stirbt

Buchautor_innen
Wolf Erlbruch
Buchtitel
Ente, Tod und Tulpe
Wie mit dem Tod umgehen? - Ein Gespräch mit einer Achtjährigen über ein Buch, das den Tod als sanftmütige und geduldige „Person“ beschreibt.

Die Ente hatte sich schon länger etwas merkwürdig gefühlt. Da fällt ihr der Tod auf, der sie schon länger begleitet. Eigentlich schon immer. Jetzt tritt er als Skelett in Mantel und Rock in Erscheinung. Die Ente erschrickt, doch stellt sie schnell fest, dass der Tod ganz nett ist – gruselig zwar, aber sehr freundlich. Sie verbringen einige Zeit miteinander, sie gehen zum See, klettern auf Bäume. Als der Tod friert, wärmt die Ente ihn.

Die Ente bleibt noch eine Weile am Leben. Eine Weile, in der sie sich mit dem Tod anfreundet und Gelegenheit hat, dem Tod Fragen über den Tod zu stellen. Kommen Enten in den Himmel? Oder braten sie in der Hölle? Der Tod weiß es nicht. Die Ente beginnt sich zu fragen, wie es ist, wenn sie tot ist, ist dann der Teich allein, ohne sie? Oder ist er dann weg? Zum Teich gehen sie jedenfalls immer seltener.

Irgendwann fängt die Ente an zu frieren. Jetzt wärmt der Tod sie. Bis auch das nicht mehr hilft. Mit einer Tulpe auf dem Bauch lässt er die tote Ente auf einem Fluss hinweg treiben. Er ist traurig, aber so ist das Leben.

Nora: Warum ist die Ente denn gestorben?

Andrea: Vielleicht war sie alt?

N: Ich fand den Tod ja eigentlich ganz niedlich, mit dem Totenkopf und die Augen, fand ich eigentlich ganz süß. Mit dem Mäntelchen und der Tulpe.

A: Stimmt, die hat er ja schon am Anfang dabei. Und worum geht‘s in dem Buch?

N: Also darum, dass die Ente bemerkt, dass der Tod hinter ihr steht und dann lernen die sich kennen und befreunden sich und dann wird die Ente alt und ist tot.

A. Witzig, dass der Tod das Leben beendet und aber in dem Moment für einen da ist, oder?

N: Ich find auch die Stelle gut, wo die Ente den Tod wärmt, die ist niedlich, wo die Ente sich da so drauf legt und macht einfach nur kuschel, kuschel, kuschel.

A: Und meinst du, die Ente hat Angst vor dem Tod?

N: Nö. Naja, nicht ganz so groß, aber schon Angst.

A: Meinst du, es ist leichter, wenn man sich mit dem Tod anfreundet, wenn man weiß, dass man bald sterben muss? Auch wenn er nicht so aussieht wie in dem Buch?

N: Joa. Ich glaub, das wäre schön. Was glaubst du?

A: Ich glaub, das ist gut.

N: Dann hat man wenigstens jemand, der dich kennt und der sich dann um dich kümmert.

A: Aber im wirklichen Leben gibt‘s den Tod ja nicht als Skelett, dass dich in den Arm nimmt. Da ist der Tod ja nicht greifbar.

N: Ja, also nicht so "Hallo du bist jetzt tot".

A: Aber man merkt ja vielleicht schon, dass er kommt.

N: Ja, zum Beispiel wenn man alt ist.

A: Und, meinst du, dass es dann hilft, wenn man sich mit dem Tod anfreundet?

N: Wenn man den gar nicht sieht?

A: Ja, aber wenn man vielleicht sagt,...

N: "Irgendwann werd' ich schon sterben"...

A: …dass das dann vielleicht leichter ist?

N: Ja. Und zum Beispiel, wenn man schon Kinder gekriegt hat, dann gibt‘s ja schon andere Menschen in der Familie.

A: Die sich dann um einen kümmern?

N: Nee, dann gibt‘s halt noch andere aus der Familie. Dann gibt‘s ja noch genug Familie.

A: Und hast du dir schon mal Gedanken gemacht über den Tod?

N: Nee, ich hab mir nur schon mal Gedanken gemacht... Doch, hab ich. Ich mach mir öfters Gedanken darüber, dass ich gar nicht glauben kann, dass ich ich bin. Und wenn ich sterbe, dass es mich dann nicht mehr gibt. Dass ich dann nichts mehr sehe, nichts mehr höre, nicht mehr atme. Aber das wird ja noch lange hin sein, ich bin ja erst acht.

A: Stimmt, die Ente fragt sich ja auch, was danach mit ihr passiert. Auf der Wolke sitzen oder in der Hölle schmoren?

N: Das möcht ich ja nicht so gerne.

A: Glaubst du an Himmel und Hölle?

N: Nö, ich glaub nur an das Beerdigungsinstitut.

A: Und wie findest du die Begegnung zwischen Tod und Ente?

N: Gut, weil der Tod ist glaub ich auch ganz nett, und guck mal, ich glaub, wenn die sich nicht kennengelernt hätten, dann wär der auch nicht so nett gewesen. Dann hätte der die vielleicht auch nur da liegen lassen. Und wenn die sich nicht kennengelernt hätten, dann wär der Tod auch nicht so traurig gewesen. Ist zwar schlimm für ihn, aber er kriegt dann ja auch neue Freunde.

A: Und was meinst du, bringt einem das Buch, wenn man das liest?

N: Dass der Tod gar nicht schlimm ist. Dass der Tod ganz lieb ist.

A: Meinst du der Tod bringt die Ente um?

N: Das würd ich ja nicht glauben, weil der Tod ist dann ja auch traurig.

A: Der Tod fängt sie also auf, als sie stirbt. Aber er ist auch das, was unweigerlich kommt.

N: Ja. Ihm kann man ja nicht ausweichen.

A: Und meinst du, das ist ein gutes Buch für Kinder?

N: Naja, für Kleinere… - weiß ja nicht, so der Tod und wie er aussieht, da könnte man aber auch so ein bisschen Angst kriegen. Für manche geht‘s und für manche nicht. Andere könnten es vielleicht langweilig finden. Aber die Bilder sind richtig niedlich.

Wolf Erlbruch 2007:
Ente, Tod und Tulpe.
Verlag Antje Kunstmann, München.
ISBN: 978-3-88897-461-8.
32 Seiten. 14,90 Euro.
Zitathinweis: Andrea Strübe und Nora Strübe: Als die Ente stirbt. Erschienen in: Alternative Kinderbücher. 25/ 2013. URL: https://kritisch-lesen.de/c/1101. Abgerufen am: 22. 08. 2019 17:57.

Zum Buch
Wolf Erlbruch 2007:
Ente, Tod und Tulpe.
Verlag Antje Kunstmann, München.
ISBN: 978-3-88897-461-8.
32 Seiten. 14,90 Euro.