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Anarchismus in der Sprechblase

Buchautor_innen
Findus
Buchtitel
Kleine Geschichte des Anarchismus
Buchuntertitel
Ein schwarz-roter Leitfaden - Comic
Ein abwechslungsreicher Comic über Anarchismus.
Rezensiert von Sebastian Kalicha

Diese Rezension über Findus’ Anarchismus-Comic soll mit einer kleinen Anekdote beginnen, die einiges über dieses Büchlein aussagt: als der Rezensent bei einer linken Buchmesse teilnahm, kam beim Zusammenpacken der für einen trotzkistischen Verlag ausstellende Tischnachbar vorbei, nahm den Comic in die Hand und meinte anerkennend: „Da seid ihr Anarchisten uns schon überlegen, ihr wisst eure Ideen zugänglich und leicht verständlich zu vermitteln – und dieser Comic sieht auch richtig gut aus!“ Der freundliche Trotzkist vom Nachbartisch brachte es wunderbar auf den Punkt.

Nachdem Findus vor allem diverse libertäre Zeitungen seit Längerem mit Zeichnungen versorgte, ist letztes Jahr nun sein erstes Buch veröffentlicht worden. Beginnend mit einer Szene, in der zwei Jugendliche von einem missmutigen Herren an einer Bushaltestelle als „Chaoten“ und „Anarchisten“ tituliert werden, weil diese Demoerfahrungen austauschen, beginnen sie ihm die Idee des Anarchismus zu erklären. Dies geschieht u.a. mittels Beispielen wie „libertäres Wohnen“, „libertäre Erziehung“ oder „libertäre Musik“ (mit so unterschiedlichen Interpreten wie dem IWW-Liedermacher Utah Phillips, der Grindcore Band Napalm Death, den AnarchopazifistInnen von Crass und sogar Bob Dylan!). Weiter geht’s dann mit den diversen anarchistischen Strömungen wie Individualanarchismus, mutualistischer, kollektivistischer und kommunistischer Anarchismus, Anarchosyndikalismus, gewaltfreier Anarchismus und neueren Diskursen wie dem sogenannten Postanarchismus. Anschließend werden dem mürrischen alten Herren noch die wichtigsten Stationen anarchistischer Geschichte erklärt. Hier finden sich neben den klassischen Beispielen wie Pariser Kommune, Spanischer Bürgerkrieg, Kronstadt und Machno, Bayerische Räterepublik etc. auch weniger konventionelle Stationen wie „Entkolonialisierungsprozesse nach dem Zweiten Weltkrieg“ (libertäre Gandhi Interpretation), „libertäre Vorläufer der 1968er“ (Situationistische Internationale, Provos, etc.) oder „Zapatismus und globalisierungkritische Bewegung“.

Was positiv auffällt ist, dass trotz des limitierten Platzes offenbar darauf Acht gegeben wurde, dass nicht nur die altbekannten Klassiker des Anarchismus wie Proudhon, Bakunin, Kropotkin, Goldman, Rocker, etc. vorgestellt werden, sondern auch weniger oder kaum bekannte AnarchistInnen (oder vom Anarchismus beeinflusste Personen) wie André Leon (antiautoritäre Pariser Kommunardin), Clara Wichmann (gewaltfreie Anarchistin und Anarchosyndikalistin aus Holland), Simone Weil (französische Philosophin, u.a. im Spanischen Bürgerkrieg bei der anarchosyndikalistischen Kolonne Durruti aktiv), Margarethe Faas-Hardegger (Antimilitaristin, Frauenrechtlerin und Syndikalistin aus der Schweiz) oder Mahmud Taha (libertärer islamischer Gelehrter aus dem Sudan). Jedes Kapitel schließt mit weiterführender Literatur, was in Anbetracht der Tatsache, dass der Comic offenbar für „EinsteigerInnen“ konzipiert wurde, wichtig ist.

Eines fällt nach der Lektüre des Comics auf: Der Rahmen, wer und was in diese Kleine Geschichte des Anarchismus mit aufgenommen wurde, ist recht großzügig gezogen worden, was je nach Geschmack (oder ideologischer Ausrichtung) positiv bewertet oder kritisch betrachtet werden kann. Der großzügig gezogene Rahmen macht das Buch zumindest aber abwechslungsreicher als so manch anderes Buch zum Anarchismus.

Dieser „schwarz-rote Leitfaden“ bietet einen leicht verständlichen Einstieg in die Ideenwelt des Anarchismus und eignet sich vermutlich recht gut als Geschenk für Jugendliche und Leute, die mit dem Anarchismus bislang nur wenig zu tun hatten oder tendenziell etwas abgeschreckt davon sind. Und auch wenn der Comic für Leute, die sich schon Jahre oder Jahrzehnte mit dem Anarchismus auseinandersetzen, kein Fundus neuer Informationen zum Thema ist (das kann ein Comic ja auch nur schwer sein), so ist er für diesen Personenkreis zumindest amüsant zu lesen und schon alleine deshalb eine Bereicherung.

Findus 2010:
Kleine Geschichte des Anarchismus. Ein schwarz-roter Leitfaden - Comic.
Verlag Graswurzelrevolution, Münster.
ISBN: 978-3-939045-14-4.
57 Seiten. 7,80 Euro.
Zitathinweis: Sebastian Kalicha: Anarchismus in der Sprechblase. Erschienen in: Sommerpause. 8/ 2011. URL: http://kritisch-lesen.de/c/924. Abgerufen am: 19. 07. 2018 00:13.

Zur Rezension
Zum Buch
Findus 2010:
Kleine Geschichte des Anarchismus. Ein schwarz-roter Leitfaden - Comic.
Verlag Graswurzelrevolution, Münster.
ISBN: 978-3-939045-14-4.
57 Seiten. 7,80 Euro.
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