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Wir suchen wieder Rezensent:innen! Ausgabe #81: Kulturkampf von rechts

Antifeminismus, Angriffe auf queere und migrantische Leben, Kämpfe um Erinnerungspolitik, Wissenschaftsfreiheit oder (sozio-)kulturelle Institutionen insgesamt: Seit einigen Jahren wird verstärkt von einem „Kulturkampf von rechts“ gesprochen. Es lässt sich beobachten, dass rechte Akteure erhebliche Ressourcen darauf verwenden, gesellschaftliche Debatten zu verschieben, kulturelle Deutungshoheit zu gewinnen und bestehende Errungenschaften demokratischer und emanzipatorischer Kämpfe infrage zu stellen. Diese Kämpfe werden nicht nur in der Arena der Politik ausgetragen, es geht vielmehr grundlegend darum, Vorstellungen von Nation, Familie, Geschlecht, Zugehörigkeit und Geschichte neu zu ordnen und als gesellschaftlichen Konsens zu etablieren.

Zugleich stellt sich die Frage, ob der Fokus auf die äußerste Rechte überhaupt ausreicht. Viele jener Deutungsmuster, die lange als Kennzeichen rechter Randmilieus galten, finden sich heute auch in konservativen Parteien, medialen Mainstream-Debatten und staatlichen Politiken wieder: Wie verschieben sich die Grenzen des Sagbaren? Welche Rolle spielen liberale und konservative Akteure bei der Verbreitung oder Normalisierung rechter Narrative? Und wie lassen sich die Verbindungen zwischen autoritären, neoliberalen und nationalistischen Projekten genauer fassen?

Wie hilfreich ist also der Begriff des Kulturkampfs selbst? Geht es tatsächlich um einen Kampf um Kultur, Werte und Identitäten oder lenken diese Kämpfe lediglich von sozialer Ungleichheit, Klassenverhältnisse und autoritären Umbrüche ab? Oder aber unterschätzt die Linke womöglich die Bedeutung kultureller Hegemonie, während die Rechte hegemoniale Siege einfährt, Begriffe umdeutet, sich als rebellischer Underdog inszeniert und sogar Elemente linker Kritik für eigene Projekte vereinnahmt?

Dabei steht nicht nur zur Debatte, was gesagt wird, sondern auch, was nicht gehört, nicht gedruckt oder nicht mehr als relevant wahrgenommen wird. Welche Bedeutung kommt dabei der digitalen Öffentlichkeit, Medien, Schulen oder Kulturinstitutionen zu? Was bedeutet es, wenn die Vorstellung einer gemeinsamen Wahrheit selbst zum Gegenstand politischer Kämpfe wird?

Für unseren Schwerpunkt suchen wir Beiträge, die Strategien rechter Hegemoniebildung, ihre Konfliktfelder und Widersprüche analysieren. Uns interessieren ebenso kritische Auseinandersetzungen mit dem Begriff selbst: Was erklärt er – und was verdeckt er? Welche Formen emanzipatorischer Gegenmacht lassen sich heute denken?

Wir suchen wieder Menschen, die Bücher, Broschüren, Sammelbände und Literatur zum Thema für Menschen jeden Alters besprechen möchten. Es sind sowohl Rezensionen aktueller und älterer Publikationen willkommen als auch Hinweise für interessante Publikationen, die in unserer Liste fehlen! Ihr arbeitet zu dem Thema aktivistisch, wissenschaftlich oder publizistisch? Ihr habt eine interessante Fragestellung zum Thema am Wickel und könntet euch vorstellen, ein Essay oder Interview zur Ausgabe beizutragen? Auch hier gern her mit euren Vorschlägen! Einsendeschluss für eure Vorschläge zum Schwerpunkt ist der 03.7.2026.

Zudem suchen wir jederzeit Rezensent*innen für aktuelle Neuerscheinungen in anderen Themengebieten. Auch Romane und Kinderbücher sind immer gern gesehen! Insbesondere möchten wir FLINTA*s ermutigen, uns Rezensionen anzubieten.

Wenn ihr Interesse habt, dann schickt eure Ideen bitte mit einer kurzen Begründung und ein paar Worten zu euch selbst an redaktion@kritisch-lesen.de oder an eines der Redaktionsmitglieder. Wir entscheiden nach Eingang der Vorschläge, welche Rezensionen wir gerne in der Ausgabe dabeihätten – und melden uns bei euch. Der Einsendeschluss der fertigen Rezensionen ist der 21.8.2026.

Literaturvorschläge

Errol Babacan: Hegemonie und Kulturkampf. Verknüpfung von Neoliberalismus und Islamfeindlichkeit. transcript 2020.

Jens Balzer: After Woke. Matthes & Seitz Berlin 2024.

Christoph Bartmann: Attacke von Rechts. Hanser 2026.

Aurélien Bellanger: Die letzten Tage der Linken. Rowohlt 2025.

Adrian Daub: Cancel Culture Transfer. Wie eine moralische Panik die Welt erfasst. Suhrkamp 2022.

Helmut Kellershohn / Wolfgang Kastrup: Kulturkampf von rechts. AfD, Pegida und die Neue Rechte. Unrast 2016.

Phil C. Langer / Niclas O'Donnokoé (Hg.): Transgeschlechtlichkeit und Psychoanalyse. Perspektiven jenseits des Kulturkampfs. transcript 2024.

Angela Nagle: Die digitale Gegenrevolution. Online-Kulturkämpfe der Neuen Rechten von 4chan und Tumblr bis zur Alt-Right und Trump. transcript 2018.

Susan Neiman: Links ist nicht woke. Hanser 2023.

Hanno Rauterberg: Wie frei ist die Kunst? Der neue Kulturkampf und die Krise des Liberalismus. Suhrkamp 2018.

Eva von Redecker: Dieser Drang nach Härte. Fischer 2026.

Eike Sanders / Ulli Jentsch / Kirsten Achtelik (Hg.): Kulturkampf und Gewissen. Medizinethische Strategien der »Lebensschutz«-Bewegung. Verbrecher Verlag 2024.

Ronen Steinke: Meinungsfreiheit. Piper 2026.

Natascha Strobl: Kulturkampfkunst. Ein Handbuch – Warum man nicht über jedes Stöckchen springen sollte. (erscheint 2027).

Pauline Voss / Julian Reichelt (Hg.): Links – Deutsch / Deutsch – Links. 2026.

Ruth Wodak: Politik mit der Angst. Die schamlose Normalisierung rechtsextremer und rechtspopulistischer Diskurse. Konturen 2021.

David Begrich / Mareike Gronich / Jeannie Moser / Hans-Joachim Schott: Literatur- und Kulturpolitik der ›Neuen Rechten‹. Lektüren, Schauplätze, Vokabular. transcript, 2026.